Samstag, 2. Dezember 2017

Nein sagen - Ja sagen

Es wird mal wieder nachdenklich...

Es ist Weihnachtszeit und klassisch damit die Zeit für Stress allerarten und allerorten.
Wir alle kennen das.
Die meisten von uns hassen das.

(Man möge mir widersprechen, wenn dem nicht so ist. Ernsthaft. Bitte!)

Was ich noch mehr hasse, ist Unverbindlichkeit.


Wenn ein Ja ein Nein ist und umgekehrt, verwirrt mich das zutiefst. Ich weiß nicht, wie es euch da draußen geht, aber wenn jemand zu mir Ja sagt, dann ist das etwas, das ich als verbindliche Zusage betrachte.
Ich habe genau aus diesem Grund selten Dinge versprochen. Ich habe oft "Ja" gesagt, manchmal "Vielleicht", seltener "Nein"; und es gibt viele Menschen, die mir das krumm nehmen, heute wie damals.
Ich mache mir selten Gedanken darüber. Ich bin nicht "normal", nicht wirklich angepasst. Das macht Schwierigkeiten, die auffallen. Aber mich selten länger beschäftigen. Vor Kurzem hatte ich allerdings wieder Grund, darüber nachzudenken...

Ich brauchte Hilfe, und ich habe allgemein danach gefragt, simpel gehalten. Tatsächlich habe ich nur gefragt, ob jemand in der anderen Stadt dafür sorgen kann, dass ich meinen Schlüssel bekomme.
Tatsächlich aber sind für mich Leute eine (einfache) Strecke von einer Dreiviertelstunde gefahren, mit denen ich seit Monaten nicht mehr gesprochen habe. Wir hatten einfach keine Basis miteinander, würde ich vermuten? Trotzdem sind die beiden zweimal diese Strecke gefahren, um mir meinen Wohnungsschlüssel zu holen und mir zu ermöglichen, ohne Schlüsseldienst in meine Wohnung zu kommen.
Einfach so. Ohne Bedingungen. Ein einfaches Ja. Ohne viele Worte, ein direktes Angebot und eine direkte Antwort.
Ich war verblüfft, sehr sogar.

Genauso wie der Mensch, der mir für diese Zeit Obdach gewährt hat. Es war nur eine Nacht, aber es war ein unmittelbares "Ja, ich habe Essen, Dusche und einen Schlafplatz für dich." Sicher, ich hätte mich irgendwie durchgeschlagen, aber dieses Ja zu mir und dieses Ja zur Hilfestellung haben mir so viel mehr gegeben. Und nicht nur Zeit, die ich heute und morgen für mich nutzen kann.
Ich möchte nicht wissen, wie dumm ich geschaut habe. Aber ich weiß, wie dankbar ich dafür war. Und bin.

Auf der anderen Seite wiederum steht mindestens eine Person, die Ja zu mir gesagt hat. Ob derjenige sich nicht traut, Nein zu sagen, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich in dem (einen akuten) Fall seit Monaten immer wieder Kontakt gesucht habe, und immer wieder ein "Reden wir drüber" oder dergleichen bekommen habe.
Heute habe ich den Punkt, um den es ging, von meiner Liste gestrichen.
Es war nichts wesentlich wichtiges; nichts, was nicht verzichtbar gewesen wäre. Aber es enttäuscht mich, dass es ein Ja war, das anscheinend nichts wert war. Und es passiert immer wieder.
Wieso kannst du nicht "Nein" zu mir sagen, wenn du "Nein" meinst? Wie verbindlich ist ein "Ja" von dir?

Auch ich habe oft "Vielleicht" gesagt.
Aber ich kann in den Spiegel sehen und weiß, dass ich "ja" oder "nein" gesagt hätte, wenn ich mir sicher gewesen wäre. Unsicherheit, Wahrscheinlichkeit ist etwas anderes als Verbindlichkeit. Wenn ich "Ja" sage, muss ich die Verbindlichkeit akzeptieren. Und auch zugeben können, wenn ich nicht einhalten kann, was ich zugesagt habe.

So wie dieses Wochenende - eine Orga und ein Darstellerteam auf einem Lager hätten mich erwartet. Aber ich habe "Nein" sagen müssen. Und ich stehe dazu, auch wenn es mir leidtut um die Zeit, die wir hätten miteinander verbringen können.

Kannst du das auch?

2 Kommentare:

  1. Ja Nein zu sagen ist echt schwer. Vor allem wenn man denkt das Leute einem etwas bedeuten. An manchen Tagen erfährst du halt wer deine wahren Freunde sind. Sei dankbar dafür. Die Spreu trennt sich vom Weizen. Doch manchmal wäre jemand gerne Weizen gewesen, war dann jedoch so mit seinem innersten Kreis im eigenen Gebilde von Verwirrtheit beschäftigt das diese Person schlicht und einfach überfordert war. Vielleicht lernt dieses Mensch noch etwas daraus... Wenn ja wäre das schön. Mir jedenfalls ist ein ehrliches du Arsch tausendmal lieber als falsches rumgesäusel. Oh ja und ich liebe rumgesäusel... genauso wie süßholzraspeln. Mir ist es nur lieber ich kann das schöne sagen von dem ich überzeugt bin das ich es auch fühle. Und manchmal ist ein ehrliches Ja oder Nein eben das schönste Geschenk...

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    1. Ich war damals noch zu betroffen, als du den Kommentar gepostet hast, aber heute hab ich nochmal reingeschaut. Nicht lange nach dieser Geschichte haben sich zwei Freundschaften durch eine klare Ansage aufgelöst. Es tut immer noch weh, aber im Nachhinein... war es besser so.

      Freundschaft ist etwas, das - vielleicht? - von so vielen Faktoren abhängig ist, dass es genauso zerbrechlich ist wie eine Christbaumkugel. Vorsichtig behandelt wunderschön und haltbar - ein falscher Griff und das Risiko ist groß, sich einen Splitter einzuziehen.
      Aber auch unter Christbaumkugeln gibt's Exemplare, die (zumindest den üblichen) Widrigkeiten widerstehen können.

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